Der Trailer zu Der Butler macht hungrig. Er lässt es so scheinen dass der Film wohl mehr mit uns machen wird als dass er lediglich die Geschichte der Black Power Bewegung in den USA mit Hilfe einer für die Geschichte bedeutenden Person erzählt. Hoffnung keimt darauf auf dass sich Regisseur Lee Daniels nach dem wirklich aufregend gestaltetem Sozialdrama Precious , welches völlig zurecht zwei Academy Awards und etliche andere Filmpreise gewinnen konnte und sich neben guten Darstellerleistungen mit einer von Andrew Dunn fabelhaft geführten, dem Drama Leben einhauchenden, Kameraführung und einem interessanten Erzählstil auszeichnete, nun mit Der Butler endgültig in den Olymp der größten Regisseure moderner Zeit aufsteigt.
Der Butler hätte definitiv das Potenzial hierzu. Er erzählt eine Geschichte für die es viel Feingefühl benötigt um sie richtig wirken zu lassen, ähnlich wie es schon in Precious eben der Fall war. So gesehen scheint es also kein Fehler gewesen zu sein dass sich Regisseur Lee Daniels , Kameramann Andrew Dunn und Cutter Joe Klotz , welche in Precious gemeinsam großartige Arbeit geleistet haben auch dazu entschlossen haben sich als Trio zusammen an Der Butler heranzumachen. Der Butler setzt sich zum Ziel den Zuseher auf eine emotionale Weise zu berühren und zugleich einen neuen Blickwinkel auf die Unterdrückung der Schwarzen in den Vereinigten Staaten zu eröffnen. Er erfüllt dies alles nur bedingt. Natürlich ist es höchst bedrückend einem Jungen dabei zuzusehen wie er seinem eigenen Vater dabei sieht wie er brutal ermordet wird, natürlich ist es zutiefst traurig wenn man sieht wie der Vater seinen eigenen Sohn im Fernsehen dabei sieht wie er festgenommen wird, natürlich ist es deprimierend zu sehen wie jemand an seinem Geburtstag erfahren muss dass sein Kind im Krieg gefallen ist. Der Butler viele beeindruckende Momente, doch einprägsam ist keiner so wie es beispielsweise in Shawshank Redemption der Fall war. Ob es wohl daran liegt von berührenden Momenten quasi erschlagen zu werden?
Ähnlich verhält es sich mit den schauspielerischen Leistungen, welche allesamt gut bis sehr gut sind und auch einige wirkliche Stars anbieten wie Robin Williams als Präsident Eisenhower, Oprah Winfrey als Frau des Butlers, welcher von Forrest Whitaker verkörpert wird oder John Cusack als Richard Nixon. Doch die vielen Stars stehen sich ständig selbst im Weg. Niemandem wird die nötige Zeit zugestanden um sich wirklich entfalten zu können, schon gar nicht den eher unbekannteren Nebenrollen wie etwa dem großartigen David Oyelowo als Sohn des Butlers, welcher durch seinen permanenten Widerstand gegen die Unterdrückung der Schwarzen, beim Vater aneckt, weil der es sich ja eigentlich gar nicht leisten kann mit einem teils gewaltsamen Aktivisten, welcher seine meiste Zeit hinter Gittern verbringt, in Verbindung gebracht zu werden. Durch die Entscheidung auch bis in die kleinste Nebenrolle namhafte Akteure zu besetzen wirkt der Film allerdings gestopft voll und lässt uns trotz seiner Länge von deutlich über 2 Stunden nicht die Zeit um uns wirklich in die Welt des Butlers hineinversetzt zu fühlen. Ein Problem mit welchem der Film auch aus anderen Gründen kämpft. Erwähnenswert sei außerdem dass sich Lee Daniels und Kollegen mit Ausnahme der in Precious überraschend starken Mariah Carey als verstörte Mutter von Butler Cecil Gaines, nicht dazu entschlossen haben Schauspieler von Precious zu Der Butler mitzunehmen.
Anders als in Precious schafft es Der Butler nicht sich vom üblichen Hollywood-Gebräu abzusetzen. Dazu ist er einerseits viel zu unsympathisch, mit Ausnahme des Aktivisten und Butler-Sohnes Louis Gaines lässt er keinen Platz für Romantiker, aber auch viel zu wenig bereit für Spielereien filmischer Art - Kameramann Andrew Dunn entfaltet sein Können ebenso wenig wie Cutter Joe Klotz und lässt somit Der Butler lediglich als einen Film wirken welcher mehr von sich verlangt als er dies eigentlich kann.
Für Fetischisten der US-Amerikanischen Geschichte ist Der Butler definitiv empfehlenswert, auch wenn er manche gar nicht mal so unwichtige Personen der Zeitgeschichte wie zum Beispiel Rosa Parks nicht vorkommen lässt. Doch für wirkliche Cineasten hat Der Butler eher weniger zu bieten. Wohl unter dem Druck der Produzenten und der anstehenden Oscar-Verleihungen trauen sich Lee Daniels , Andrew Dunn und Joe Klotz nicht so sehr über die üblichen, bekannten filmischen Grenzen zu springen wie sie das schon einmal getan hatten. Das Produktionsbudget von 30 Millionen US-Dollar hat Der Butler schon jetzt bei weitem durch die Einspielergebnisse übertroffen, finanziell ist Der Butler definitiv ein Erfolg. Doch die Tatsache dass über 70 Prozent der Einspielergebnisse aus den Vereinigten Staaten offenbaren dass die Zielgruppe wohl eher nicht in Europa liegt. Nachdem man im Kino gesessen hat weiß man auch warum.
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Regie: Lee Daniels (Agnes und seine Brüder, Precious ; ...)
Kamera: Andrew Dunn (Hitch der Date Doktor, Precious ; ...)
Schnitt: Joe Klotz (Chapelles Show, Precious ; ...)
Drehbuch: Danny Strong (Recount ; ...)
Musik: Rodrigo Leao
Produzent: Buddy Patrick u.a.
Hauptrolle: Butler Cecil Gaines - Forest Whitaker (Ein Colt für alle Fälle, Twilight Zone ; ...)
Nebenrollen:
David Banner, Mariah Carey, David Oyelowo, John Cusack, Robin Williams, Oprah Winfrey, James Marsden, Vanessa Redgrave, Alan Rickman, Liev Schreiber, Clarence Williams III, Minka Kelly, Melissa Leo, Jesse Williams, Jane Fonda, Colman Domingo, Nelsan Ellis, Adriane Lenox, Alex Pettyfer, LaJessie Smith, Joe Chrest, John P Fertitta;